Zensur

Blogger Asif Mohiuddin aus Bangladesch erhält den Politkovskaja-Journalisten-Preis 2015: „Mein Kampf gegen den islamischen Fanatismus.“

02.10.2015

Übersetzung aus dem Italienischen: Translators for Justice

Quelle: http://temi.repubblica.it/micromega-online/asif-mohiuddin-%E2%80%9Cla-mia-lotta-al-fanatismo-islamico%E2%80%9D-parla-il-blogger-premio-politkovskaja-2015/

Der bengalische Blogger, der Morddrohungen erhalten hat, hat bei der Verleihung des journalistischen Preises „Anna Politkovskaja“ 2015 beim Festival der italienischen Wochenzeitung Internazionale in Ferrara die Islamisierung und die mangelnde Meinungsfreiheit in Bangladesch angeprangert: „Die Regierung versucht stets, unsere Stimmen zum Schweigen zu bringen, unsere religiösen Führer möchten uns vernichten, und die Polizei und das Militär wollen uns peinigen, nur weil wir eine andere Meinung vertreten.“

von Asif Mohiuddin* von internazionale2015.pr.co

„Ich freue mich sehr, dieser Preis ist für mich eine wunderbare Überraschung. Ich halte mich nicht für einen guten Redner. Ich bin nur ein ganz normaler Blogger aus Bangladesch, der im Netz einen Raum zum Austausch verschiedener Meinungen schaffen wollte, um auf rationale, wissenschaftliche und kritische Weise zu diskutieren. Voltaire hat gesagt: ‚Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, musst du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst.‘ Ich habe herausgefunden, dass ich in Bangladesch weder die Regierung, noch das Militär, die Polizei oder die politischen Parteien und insbesondere nicht die Religion kritisieren darf. (more…)

NTV Türkei zensiert die Aussage „Nicht Gott hat mir meinen Sohn genommen, sondern Tayyip Erdoğan”

13.3.2014
Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://www.sendika.org/2014/03/ntvden-oglumu-allah-degil-tayyip-erdogan-aldi-sozlerine-sansur/

Der Sender NTV, der während der Proteste im vergangenen Sommer wegen seiner regierungsfreundlichen Nachrichten stark kritisiert wurde und nach dem Tod von Berkin Elvan erneut im Fokus der Kritik steht, legte gestern eine Zensurpraxis an den Tag, die aufgrund ihrer Offensichtlichkeit Seltenheitswert hat. Der Nachrichtensprecher des Senders stockte, als er die Aussage von Berkin Elvans Mutter vorlas, die gesagt hatte „Nicht Gott hat mir meinen Sohn genommen, sondern Tayyip Erdoğan“. Er brach den Satz nach dem ersten Teil, bevor er den Namen des Ministerpräsidenten aussprach, ab und wand sich durch die Nachricht.

Link zum Video

Ziviler Ungehorsam: Zensur und Selbstzensur aus der Sicht von Journalisten – Eine wissenschaftliche Untersuchung von Esra Arsan

Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: Der türkische Artikel ist unter dem Titel “Sivil İtaatsizlik Bağlamında Bir Araştırma: Gazeteci Gözüyle Sansür ve Otosansür” in der Sondernummer zum Thema Ziviler Ungehorsam der Zeitschrift Cogito im August 2011 erschienen und ist unter: https://translateforjustice.com/?attachment_id=1930 abrufbar.

Esra Arsan
Istanbul Bilgi Universitesi
Medya & İletişim Sistemleri
earsan@bilgi.edu.tr

Laut Wörterbuch definiert sich ziviler Ungehorsam als „Verstoß gegen rechtliche Normen innerhalb der Grenzen der Rechtstreue“. Nach Rawls (1999) ist ziviler Ungehorsam eine öffentliche, gewaltlose, gewissensbestimmte, aber gesetzwidrige politische Handlung, die gewöhnlich eine Änderung der Gesetze oder der Regierungspolitik herbeiführen soll. Dazu zählen Sit-ins, Todesfasten, Besetzungen, Unterschriftensammlungen, Selbstanzeigen, Grenzüberschreitungen und verbotene Demonstrationen. In der Türkei ist es in den letzten Jahren zu einigen Aktionen von zivilem Ungehorsam gekommen: die Samstagsmütter (Sitzblockaden von Angehörigen Vermisster), Fälle von Kriegsdienstverweigerung, der Widerstand gegen den Goldabbau mit Hilfe von Zyanid in Bergama, ziviler Ungehorsam durch die Kurdenbewegung, Umgehung von Internetzensur durch Änderung der Domainnamen, die Bürgerbewegung gegen den Bau von Wasserkraftwerken sowie die Verbreitung im Internet von Büchern, die bereits vor ihrer Veröffentlichung beschlagnahmt und verboten worden waren (etwa „Die Armee des Imams“ von Ahmet Şık). (more…)

Apollinaire bestrafen

6.11.2013
Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://www.cumhuriyet.com.tr/koseyazisi/6611/Apollinaire_i_Cezalandirmak.html#

Metin Celal

Nachdem der Prozess um die Übersetzung von Guillaume Apollinaires “Die Großtaten eines jungen Don Juan” mit einem Freispruch geendet hatte, war das Urteil von der 14. Kammer des Strafsenats aufgehoben wurden, so dass sich İrfan Sancı vom Verlagshaus Sel Yayıncıları und der Übersetzer İsmail Yerguz ab morgen erneut vor Gericht zu verantworten haben. Die Staatsanwaltschaft fordert für die beiden wegen Verbreitung obszönen Schrifttums eine sechs- bis zehnjährige Gefängnisstrafe. (more…)

Alice Walker und die Universität Michigan

8.8.2013
Übersetzung aus dem Englischen: Translators for Justice
Quelle: http://www.speakoutnow.org/article.php?id=407#.Ug0eMPXW1-k.facebook

Falls Sie sich jemals gefragt haben, wie das geht: Zensur durch Entzug der Fördermittel
Die Einladung an Alice Walker, anlässlich des 50. Jahrestages des Zentrums für Frauenstudien der Universität Michigan eine Rede zu halten, wurde zurückgezogen.

„Es macht mich traurig, dies schreiben zu müssen, denn ich bin immer für Redefreiheit eingetreten und ich wurde dazu erzogen die Meinung der anderen zu respektieren. Aber ich verstehe, dass es auch andere Dinge gibt, die Institutionen berücksichtigen müssen. Heute nachmittag hat sich die Universität Michigan an mich gewendet und mir mitgeteilt, dass sie ihre Einladung zurückzögen, da die Förderer die Mittel, die sie für die Veranstaltung bereit gestellt hatten, gesperrt hätten. Grund sei deren Auslegung von Frau Walkers Äußerungen über Israel. Die Förderinstitution sei nicht gewillt, das Programm zu unterstützen, und die Universität bzw. deren Zentrum für Frauenstudien könne nicht aus eigener Kraft für die Kosten aufzukommen. Die Universität bedauert dies zutiefst, aber ich wollte diese Informationen auf jeden Fall sofort an Sie weiterleiten. Ich hoffe Sie werden nachvollziehen, dass es mir sehr unangenehm ist, eine solche E-Mail schreiben zu müssen. Hoffentlich können wir zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zusammenarbeiten. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Ich wünschte, die Dinge lägen anders.“ (more…)