Türkei

NTV Türkei zensiert die Aussage „Nicht Gott hat mir meinen Sohn genommen, sondern Tayyip Erdoğan”

13.3.2014
Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://www.sendika.org/2014/03/ntvden-oglumu-allah-degil-tayyip-erdogan-aldi-sozlerine-sansur/

Der Sender NTV, der während der Proteste im vergangenen Sommer wegen seiner regierungsfreundlichen Nachrichten stark kritisiert wurde und nach dem Tod von Berkin Elvan erneut im Fokus der Kritik steht, legte gestern eine Zensurpraxis an den Tag, die aufgrund ihrer Offensichtlichkeit Seltenheitswert hat. Der Nachrichtensprecher des Senders stockte, als er die Aussage von Berkin Elvans Mutter vorlas, die gesagt hatte „Nicht Gott hat mir meinen Sohn genommen, sondern Tayyip Erdoğan“. Er brach den Satz nach dem ersten Teil, bevor er den Namen des Ministerpräsidenten aussprach, ab und wand sich durch die Nachricht.

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Türkeiweite Proteste nach Berkins Tod

11.3.2014
Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://bianet.org/bianet/insan-haklari/154079-berkin-icin-her-yerde-eylem

Nach dem Tod von Berkin Elvan sind Gymnasiasten in Izmir nicht in den Unterricht gegangen, im Ankaraner Güvenpark protestierten Menschen sitzend mit Broten in der Hand, es kam zu ähnlichen Protesten in anderen Städten, zu Boykotten an Universitäten; an den Fenstern von Lebensmittelgeschäften hiengen Berkin-Botschaften.

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Wasims Geschichte und das grausame Schicksal der Flüchtlinge in Griechenland

23. 9. 2013
Übersetzung aus dem Englischen: Translators for Justice
Quelle: http://roarmag.org/2013/09/migrants-greece-criminalized-dehumanized/

Noch immer sterben viele Männer, Frauen und Kinder an den Grenzen Europas bei dem Versuch aus ihrem Heimatland zu entkommen. Wenn sie es doch überleben, werden sie wie Kriminelle behandelt.

von Sofiane Ait Chalalet und Chris Jones

Wasim ist ein Flüchtling aus Syrien. Ende Juli wurde er zusammen mit seiner Frau, seinem jungen Sohn und seiner Tochter im Kleinkindalter von einem Boot an einer abgelegenen, dicht bewaldeten und steinigen Küste der griechischen Insel Samos abgesetzt. Ohne ausreichende Wasser- oder Lebensmittelvorräte schwamm er los, um Hilfe zu finden. Nachdem er zunächst von passierenden Schiffen ignoriert wurde, fand er schließlich Hilfe und ging anschließend zur Polizei. Er wurde umgehend festgenommen und für weitere sechs Wochen inhaftiert. Während dieser Zeit, und trotz seiner Bitte, jemand möge nach seiner Frau und seinen Kindern suchen, die er von Anfang an äußerte, hörte er nichts von ihnen oder über sie. Sechs Wochen später sollte er sie tot auffinden. (more…)

Parlamentarische Anfrage zum Thema „Gummizellen“ in Gefängnissen

6.1.2014
Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://bianet.org/bianet/insan-haklari/152626-hdp-sungerli-odayi-meclis-e-tasidi

Der Abgeordnete Ertuğrul Kürkçü aus Mersin hat eine Anfrage an das Justizministerium gestellt, in der er kritisiert, dass die „Gummizellen“ in Gefängnissen wie Folterzentren gebraucht werden und durch die Kameraüberwachung das Recht auf Schutz der Privatsphäre verletzt werde. (more…)

Ziviler Ungehorsam: Zensur und Selbstzensur aus der Sicht von Journalisten – Eine wissenschaftliche Untersuchung von Esra Arsan

Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: Der türkische Artikel ist unter dem Titel “Sivil İtaatsizlik Bağlamında Bir Araştırma: Gazeteci Gözüyle Sansür ve Otosansür” in der Sondernummer zum Thema Ziviler Ungehorsam der Zeitschrift Cogito im August 2011 erschienen und ist unter: https://translateforjustice.com/?attachment_id=1930 abrufbar.

Esra Arsan
Istanbul Bilgi Universitesi
Medya & İletişim Sistemleri
earsan@bilgi.edu.tr

Laut Wörterbuch definiert sich ziviler Ungehorsam als „Verstoß gegen rechtliche Normen innerhalb der Grenzen der Rechtstreue“. Nach Rawls (1999) ist ziviler Ungehorsam eine öffentliche, gewaltlose, gewissensbestimmte, aber gesetzwidrige politische Handlung, die gewöhnlich eine Änderung der Gesetze oder der Regierungspolitik herbeiführen soll. Dazu zählen Sit-ins, Todesfasten, Besetzungen, Unterschriftensammlungen, Selbstanzeigen, Grenzüberschreitungen und verbotene Demonstrationen. In der Türkei ist es in den letzten Jahren zu einigen Aktionen von zivilem Ungehorsam gekommen: die Samstagsmütter (Sitzblockaden von Angehörigen Vermisster), Fälle von Kriegsdienstverweigerung, der Widerstand gegen den Goldabbau mit Hilfe von Zyanid in Bergama, ziviler Ungehorsam durch die Kurdenbewegung, Umgehung von Internetzensur durch Änderung der Domainnamen, die Bürgerbewegung gegen den Bau von Wasserkraftwerken sowie die Verbreitung im Internet von Büchern, die bereits vor ihrer Veröffentlichung beschlagnahmt und verboten worden waren (etwa „Die Armee des Imams“ von Ahmet Şık). (more…)