Polizeigewalt

Notizen über das Massaker in Ankara. Eine Ärztin, die an der Organisation der Friedenskundgebung beteiligt war, berichtet

Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://sendika4.org/2015/10/ev-sahibi-doktorun-katliam-notlari-hande-arpat-ilerihaber-org/
 

15. Oktober 2015

Hande Arpat

Ich bin eine von denjenigen, die die Kundgebung mit organisiert und euch alle zur Teilnahme aufgerufen haben. Ich war von Anfang bis zum Ende dort. Deswegen bitte ich um eure Aufmerksamkeit, auch wenn es etwas länger dauern sollte:

Sehr früh haben die Vorbereitungen für die Friedenskundgebung begonnen: Organisationskommittees wurden eingerichtet, regionale Vertreter_innen benannt, Medienarbeitsgruppen kamen zusammen… Alle leisteten ihren Beitrag mit viel Freude und Begeisterung. Auf unseren Plakaten, in unseren Filmen und Slogans war diese hoffnungsvolle Hartnäckigkeit zu spüren, die die pechschwarze Schwere um uns herum durchbrach. In dieser Vorbereitungsphase haben wir alle neue Freundschaften geschlossen, die fürs Leben waren, weil es etwas Einzigartiges ist, in Solidarität etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen. (more…)

Diyarbakır: Der Stadtbezirk Sur nach Aufhebung der Ausgangssperre Ein Fotobericht

15.10.2015
Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://bianet.org/bianet/insan-haklari/168336-sokaga-cikma-yasaginin-ardindan-fotograflarla-sur-ilcesi
Bild Afang

von Elif Akgül

An unserem letzten Tag in Diyarbakır, wo wir als eine Gruppe von Journalisten die Stimmung im Vorfeld der Wahlen einfangen wollten, sind wir in den Stadtbezirk Sur gegangen, unmittelbar nachdem die dort verhängte viertägige Ausgangssperre aufgehoben wurde. Das Straßenbild ist nach diesen vier Tagen geprägt von Einschusslöchern von Raketen und Kugeln, nationalistischen Sprüchen an den Hauswänden und anderen Zeugen staatlicher Gewalt.

Bild1 SurAm Morgen nach der Ausgangssperre beginnen die Einwohner von Sur mit der Schadenserfassung. Immer noch haben sie keinen Strom. Das Glas an den Fenstern ist kaputt, an den Wänden sind Spuren von den Kugeln und Raketen, die auf die Wohnhäuser gefeuert wurden. Die Schaufenster der Ladengeschäfte sind komplett zerstört. Die Inhaber der Geschäfte erzählen, dass die Sicherheitskräfte in den vier Tagen in den Läden aßen, tranken und ihre Zigarettenkippen auf den Boden warfen, während sie selbst nicht in ihre Läden durften.

Die meisten Einwohner haben ihre Häuser verlassen, sobald sie konnten. Daher wissen sie nicht, was sie erwartet, wenn sie zurückkehren. Diejenigen, die es nicht geschafft haben, rechtzeitig wegzugehen, verbrachten die vier Tage im Badezimmer, dem für sie sichersten Ort in der Wohnung. (more…)

Türkeiweite Proteste nach Berkins Tod

11.3.2014
Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://bianet.org/bianet/insan-haklari/154079-berkin-icin-her-yerde-eylem

Nach dem Tod von Berkin Elvan sind Gymnasiasten in Izmir nicht in den Unterricht gegangen, im Ankaraner Güvenpark protestierten Menschen sitzend mit Broten in der Hand, es kam zu ähnlichen Protesten in anderen Städten, zu Boykotten an Universitäten; an den Fenstern von Lebensmittelgeschäften hiengen Berkin-Botschaften.

foto1 (more…)

Als sie den Polizisten identifizierte, der ihr mit Vergewaltigung drohte, wurde sie wegen “Widerstands gegen die Polizei” angeklagt

05.10.2013
Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://t24.com.tr/haber/tecavuzle-tehdit-eden-polisi-teshis-etti-polise-direndigi-icin-dava-acildi/241227

Während der Gezi Park Proteste wurde auch Pınar T. in Dolmabahçe in Gewahrsam genommen. Anhand eines Fotos identifizierte sie jetzt den Polizisten, der ihr mit Vergewaltigung gedroht hatte.

Pınar T. klagt an: Während des Gezi Park Widerstands in İstanbul Dolmabahçe sei sie von der Polizei genötigt worden. Jetzt identifizierte sie den „Süleyman“ genannten Polizeibeamten, der ihr gedroht hatte. Noch während die Ermittlungen aufgrund der Strafanzeige von Pınar T. gegen die Polizisten andauern, wurden Pınar T., Erkan Y. und Uğur K. jetzt wegen Widerstands gegen die Polizei angeklagt. (more…)

Der Obduktionsbericht von Abdullah Cömert. NUN OFFIZIELL: EIN VERBRECHEN

5.10.2013
Übersetzung: Translators for Justice
Quelle: Quelle: http://www.aydinlikgazete.com/mansetler/25929-aydinlik-adli-tip-raporuna-ulasti-ste-abdullah-comertin-olum-nedeni.html

Aydınlık hat den Obduktionsbericht des während der Juni-Proteste im Viertel Armutlu der südtürkischen Stadt Antakya zu Tode gekommenen Abdullah Cömert eingesehen. Es wird darin belegt, dass Cömert durch eine von der Polizei abgeschossene Tränengaspatrone umgekommen ist.

In dem von der sechsköpfigen gerichtsmedizinischen Kommission einstimmig verfassten Bericht heißt es:

“1. Die Kommission ist einstimmig zu dem Schluss gekommen, dass die bei der Person eingetretenen Schädeltraumata und Gehirnblutungen sowie die Schädigung des Gehirngewebes von einer auf den Kopf aufgeprallten Tränengaspatrone herrühren und somit zwischen der am 3. 6. 2013 gegen 23 Uhr eingetretenen Verwundung durch die Tränengaspatrone und dem am 3. 6. 2013 um 23.29 Uhr eingetretenen Tod der Person ein Kausalnexus besteht.” (more…)