Deutsche Texte

Matthieu Giroud, 39 Jahre alt, getötet im Bataclan. Ein Nachruf

Übersetzung aus dem Englischen von Translators for Justice
http://www.versobooks.com/blogs/2340-matthieu-giroud-39-years-old-killed-at-the-bataclan

16. November 2015

Matthieu Giroud, kritischer Geograf und Übersetzer der Arbeiten von David Harvey, war unter den Opfern der Anschläge von Paris am 13.11.2015.

Nicolas Vieillescazes, Redakteur bei Giroud´s Verleger Les Prairies ordinaires, schrieb einen Nachruf:

Gestern Morgen habe ich vom Tod meines Freundes Matthieu Giroud erfahren, der am Freitag Abend im Bataclan war. Ich bin unendlich traurig, gleichzeitig platze ich vor Wut: Wie Dutzende, Tausende andere in Paris, Beirut, Ankara, Kobane und unzähligen anderen Orten zwischen Irak und Syrien, starb Matthieu für nichts und wieder nichts. Er war sich sehr wohl klar darüber, dass unser Leben grundsätzlich politisch und geopolitisch sind, aber er hätte sich nie träumen lassen, dass eine Konzerthalle als Bühne für einen Krieg dient, der sich seit 9/11 ausbreitet. (more…)

“Reichen wir uns Arme und Beine!” Spendenaufruf der Filmemacherinnen aus der Türkei: Beinprothesen für Lisa Çalan

5. November 2015

Bei dem Bombenanschlag am 5. Juni in Diyarbakır in der Türkei wurden während einer Wahlkundgebung der kurdisch-liberalen Partei HDP 5 Menschen getötet. Viele andere verloren Hände oder Füße. Eine von ihnen ist die Filmemacherin Lisa Çalan, der bei dem Anschlag beide Beine abgerissen wurden. (more…)

Notizen über das Massaker in Ankara. Eine Ärztin, die an der Organisation der Friedenskundgebung beteiligt war, berichtet

Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://sendika4.org/2015/10/ev-sahibi-doktorun-katliam-notlari-hande-arpat-ilerihaber-org/
 

15. Oktober 2015

Hande Arpat

Ich bin eine von denjenigen, die die Kundgebung mit organisiert und euch alle zur Teilnahme aufgerufen haben. Ich war von Anfang bis zum Ende dort. Deswegen bitte ich um eure Aufmerksamkeit, auch wenn es etwas länger dauern sollte:

Sehr früh haben die Vorbereitungen für die Friedenskundgebung begonnen: Organisationskommittees wurden eingerichtet, regionale Vertreter_innen benannt, Medienarbeitsgruppen kamen zusammen… Alle leisteten ihren Beitrag mit viel Freude und Begeisterung. Auf unseren Plakaten, in unseren Filmen und Slogans war diese hoffnungsvolle Hartnäckigkeit zu spüren, die die pechschwarze Schwere um uns herum durchbrach. In dieser Vorbereitungsphase haben wir alle neue Freundschaften geschlossen, die fürs Leben waren, weil es etwas Einzigartiges ist, in Solidarität etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen. (more…)

Diyarbakır: Der Stadtbezirk Sur nach Aufhebung der Ausgangssperre Ein Fotobericht

15.10.2015
Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://bianet.org/bianet/insan-haklari/168336-sokaga-cikma-yasaginin-ardindan-fotograflarla-sur-ilcesi
Bild Afang

von Elif Akgül

An unserem letzten Tag in Diyarbakır, wo wir als eine Gruppe von Journalisten die Stimmung im Vorfeld der Wahlen einfangen wollten, sind wir in den Stadtbezirk Sur gegangen, unmittelbar nachdem die dort verhängte viertägige Ausgangssperre aufgehoben wurde. Das Straßenbild ist nach diesen vier Tagen geprägt von Einschusslöchern von Raketen und Kugeln, nationalistischen Sprüchen an den Hauswänden und anderen Zeugen staatlicher Gewalt.

Bild1 SurAm Morgen nach der Ausgangssperre beginnen die Einwohner von Sur mit der Schadenserfassung. Immer noch haben sie keinen Strom. Das Glas an den Fenstern ist kaputt, an den Wänden sind Spuren von den Kugeln und Raketen, die auf die Wohnhäuser gefeuert wurden. Die Schaufenster der Ladengeschäfte sind komplett zerstört. Die Inhaber der Geschäfte erzählen, dass die Sicherheitskräfte in den vier Tagen in den Läden aßen, tranken und ihre Zigarettenkippen auf den Boden warfen, während sie selbst nicht in ihre Läden durften.

Die meisten Einwohner haben ihre Häuser verlassen, sobald sie konnten. Daher wissen sie nicht, was sie erwartet, wenn sie zurückkehren. Diejenigen, die es nicht geschafft haben, rechtzeitig wegzugehen, verbrachten die vier Tage im Badezimmer, dem für sie sichersten Ort in der Wohnung. (more…)

Blogger Asif Mohiuddin aus Bangladesch erhält den Politkovskaja-Journalisten-Preis 2015: „Mein Kampf gegen den islamischen Fanatismus.“

02.10.2015

Übersetzung aus dem Italienischen: Translators for Justice

Quelle: http://temi.repubblica.it/micromega-online/asif-mohiuddin-%E2%80%9Cla-mia-lotta-al-fanatismo-islamico%E2%80%9D-parla-il-blogger-premio-politkovskaja-2015/

Der bengalische Blogger, der Morddrohungen erhalten hat, hat bei der Verleihung des journalistischen Preises „Anna Politkovskaja“ 2015 beim Festival der italienischen Wochenzeitung Internazionale in Ferrara die Islamisierung und die mangelnde Meinungsfreiheit in Bangladesch angeprangert: „Die Regierung versucht stets, unsere Stimmen zum Schweigen zu bringen, unsere religiösen Führer möchten uns vernichten, und die Polizei und das Militär wollen uns peinigen, nur weil wir eine andere Meinung vertreten.“

von Asif Mohiuddin* von internazionale2015.pr.co

„Ich freue mich sehr, dieser Preis ist für mich eine wunderbare Überraschung. Ich halte mich nicht für einen guten Redner. Ich bin nur ein ganz normaler Blogger aus Bangladesch, der im Netz einen Raum zum Austausch verschiedener Meinungen schaffen wollte, um auf rationale, wissenschaftliche und kritische Weise zu diskutieren. Voltaire hat gesagt: ‚Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, musst du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst.‘ Ich habe herausgefunden, dass ich in Bangladesch weder die Regierung, noch das Militär, die Polizei oder die politischen Parteien und insbesondere nicht die Religion kritisieren darf. (more…)