Biram Dah Abeid, der „Mandela“ aus Mauretanien, der gegen die Sklaverei kämpft

18.10.2014

Übersetzung aus dem Italienischen: Translators for Justice

Quelle: http://www.redattoresociale.it/Notiziario/Articolo/471263/Biram-Dah-Abeid-il-Mandela-della-Mauritania-che-lotta-contro-la-schiavitu

Biram Dah Abeid, Nachkomme von früheren Sklaven und Aktivist für die Abschaffung der Sklaverei, hat in den letzten Wahlen das unerwartete Ergebnis von 10% aller Stimmen erzielt. In Mauretanien gibt es insgesamt 700.000 Menschen, die in sklavenähnlicher Abhängigkeit leben, davon 100.000 als tatsächliche Sklaven. „Wir sind wiederholt Verhaftungen, Folter und Gefängnis ausgesetzt“, so Biram.

Oktober 2014

Rom – In Mauretanien ist die Sklaverei immer noch Realität. In diesem extrem armen Land mit 3,5 Millionen Einwohnern gibt es Schätzungen zufolge insgesamt 700.000 Menschen (d.h. 20 Prozent der Gesamtbevölkerung), die in sklavenähnlicher Abhängigkeit leben, 100.000 davon als Sklaven im engeren Sinne. Doch allmählich ändert sich etwas. Und dies ist auch Biram Dah Abeid, dem sogenannten „Mandela aus Mauretanien“, zu verdanken, der in den letzten Wahlen das unerwartete Ergebnis von 10% aller Stimmen erzielt hat. Darüber berichtet der Journalist Gilberto Mastromatteo in einem Artikel, der in der italienischen Monatszeitung „Popoli“ veröffentlicht wurde.

Als Sklave in Mauretanien zu leben, bedeutet in die Sklaverei hineingeboren worden zu sein, als „Eigentum eines weißen Herrn, der dich kaufen und verkaufen kann und außerdem mit dir und deinen Kindern alles machen kann, was er will“. Das Land ist gespalten in so unterschiedliche ethnische Gruppen wie die Bidhan, die Abd und die Haratine. Von der schwarzen Bevölkerung sind ein Großteil Analphabeten, welche die Sklaverei als ein natürliches und gottgewolltes Schicksal ansehen. „Du dienst deinem Herrn und beklagst dich nicht – so erklärt es im Artikel Biram, der selbst aus einer Sklavenfamilie stammt und Mitglied der Vereinigung „Sos Esclaves“ ist, die sich dafür einsetzt, die Sklaven über ihre Rechte aufzuklären. – Du weißt, dass dein Vater auch ein Sklave ist und dass es dein Großvater ebenso war. Du lebst im gleichen Haus wie deine Besitzer und wächst zusammen mit dessen Kindern auf. Aber dann wird dir irgendwann klar, dass du anders bist. Du darfst nicht zur Schule gehen, und wenn du nicht arbeitest, wirst du geschlagen.“

Wer hier ausbricht, für den ist das Leben besonders hart: es bedeutet kein Haus zu haben, keine Arbeit und ständig diskriminiert zu werden. Die Verbrechen gegenüber Sklaven und ehemaligen Sklaven werden oft nicht verfolgt oder lediglich durch milde Bestrafungen sanktioniert. Das gesamte politische und wirtschaftliche Leben des Landes ist auf die Vorteile der arabisch-berberischen Volksgruppe ausgerichtet. Im Jahr 2013 wurden nur 5 der 95 Sitze der Nationalversammlung von schwarzen Politikern eingenommen.

Ein Hoffnungszeichen waren jedoch die Ergebnisse der letzten Präsidentschaftswahlen vom Juni 2014. Zwar wurden diese mit 82 Prozent vom Kandidaten Mohamed Ould Abeid Aziz gewonnen, der das Land seit 2008 infolge eines Militärputsches regiert. Überraschend war jedoch das Ergebnis des Outsiders Biram Dah Abeid, einem Anti-Sklaverei-Aktivisten, der selbst aus einer Sklavenfamilie stammt, 10% der Stimmen erzielt hat und als Vorsitzender der Anti-Sklaverei-Organisation IRA (Initiative de résurgence du mouvement abolitionniste) fungiert.

Berühmt wurde der Aktivist 2012 infolge einer spektakulären Tat: Er verbrannte öffentlich einige pseudoislamische Bücher, die den Sklaven eintrichterten, dass sie stolz auf ihren prekären Zustand sein sollten. Dies brachte ihn zwar ins Gefängnis, brachte ihm aber zugleich die Unterstützung vieler Menschen sowie die Aufmerksamkeit der nationalen und internationalen Medien ein. Er wurde zudem für den Sacharow-Preis für die Verteidigung der Menschenrechte nominiert. Die Kandidatur von Biram für die Präsidentschaft hatte im Prinzip eine rein symbolische Bedeutung. Deshalb war das darauffolgende Ergebnis für Biram selbst außergewöhnlich, zumal „Sklaven nicht wählen dürfen“, so der Aktivist. Im Juli wurde Biram von Obama ins Weiße Haus eingeladen.

Aber der Weg zur Abschaffung der Sklaverei in Mauretanien ist noch sehr lang. „Wir sind wiederholt Verhaftungen, Folter und Gefängnis ausgesetzt“, so äußert sich Biram im Artikel. „Im Moment sitzen drei unserer Aktivisten im Gefängnis und verbüßen eine Haftstrafe von sechs Monaten bis zu einem Jahr, weil sie sich für mehrere Frauen eingesetzt haben, denen ihr Land weggenommen wurde.“ „Die Zeit mag längst noch nicht reif sein ̶ fährt Biram fort ̶ , aber die Revolution in Mauretanien wird mit Sicherheit von den Sklaven angeführt werden. Nur mit einem mauretanischen Nelson Mandela werden wir unsere Geschichte ein für alle Mal verändern können.“

© Copyright Redattore Sociale

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