Lebenslänglich für den Vater, der seinen homosexuellen Sohn tötet

11.2.2014
Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://haber.sol.org.tr/devlet-ve-siyaset/escinsel-diye-oglunu-olduren-babaya-muebbet-haberi-87592

Von Tunca Özlen

Die 3. Große Gerichtskammer Diyarbakır hat im Mordprozess gegen den Vater und zwei Onkel von Rosin Çiçek, der von seinen Verwandten wegen seiner Homosexualität ermordet wurde, ein Präzedenzurteil gefällt. Der gestehende Vater wird zu einer erschwerten lebenslänglichen Haft verurteilt. Die beiden Onkel gehen für ihre Mittäterschaft lebenslänglich ins Gefängnis.

Im Juli 2012 begann in Diyarbakır der Mordprozess gegen den Vater und zwei Onkel von Rosin Çiçek, die ihn wegen seiner Homosexualität ermordet hatten. Nun hat das Gericht ein Urteil gefällt. Rosin Çiçek war von zu Hause weggelaufen, weil er Opfer häuslicher Gewalt wurde. Sein Vater und seine zwei Onkel machten ihn ausfindig, töteten ihn und ließen seine Leiche einfach am Wegrand liegen. Der Prozess, der von Anfang an unter Beobachtung der LGBT Organisationen geführt wurde, endete nun mit einem Präzedenzurteil des Gerichtshofs.

Der Vater, der zuvor den Mord an seinem Sohn gestanden hatte, wurde wegen „vorsätzlichem Mord an nächsten Familienangehörigen“ zu einer erschwerten lebenslänglichen Strafe verurteilt. Die beiden an der Tat beteiligten Onkel erhielten lebenslänglich.

Übergriffe auf die Beobachter der Verhandlung

Während der Verhandlung bedrohten einige Familienmitglieder die CHP Abgeordneten Melda Onur und Mahmut Tanal, die mit den LGBT Aktivisten die Verhandlung beobachteten: „Wenn einer von uns verurteilt wird, kommt keiner hier lebend raus, nicht mal die Abgeordneten.“ Während der Pause bis zur Entscheidungsfindung wurden bei Übergriffen auf die LGBT-Aktivisten zwei Personen verletzt.

Das Gericht hat das gemeinsame Gesuch der Vereine SPOD und Lambdaistanbul und des Abgeordneten Mahmut Tanal als Nebenkläger aufzutreten mit der Begründung abgelehnt, dass „sie von dem Verbrechen nicht betroffen seien.“

LGBT Organisationen: Wir brauchen ein Gesetz

LGBT Organisationen fordern seit langem, dass Diskriminierung wegen sexueller Orientierung und Übergriffe in Folge dieser Diskriminierung im Strafgesetzbuch als Straftaten definiert werden. Im türkischen Strafrecht gibt es kein Gesetz, das die Ahndung von Angriffen und Diskriminierung gegen LGBT vorsieht. In den Klageschriften werden diese Straftaten gemäß den im Strafgesetzbuch aufgeführten anderen Straftaten gehandhabt.

Die Gewalt gegen die LGBT wurde unter den Hassverbrechen im „Demokratisierungspaket“ der AKP Regierung im letzten Jahr nicht aufgeführt.

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