Als sie den Polizisten identifizierte, der ihr mit Vergewaltigung drohte, wurde sie wegen “Widerstands gegen die Polizei” angeklagt

05.10.2013
Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://t24.com.tr/haber/tecavuzle-tehdit-eden-polisi-teshis-etti-polise-direndigi-icin-dava-acildi/241227

Während der Gezi Park Proteste wurde auch Pınar T. in Dolmabahçe in Gewahrsam genommen. Anhand eines Fotos identifizierte sie jetzt den Polizisten, der ihr mit Vergewaltigung gedroht hatte.

Pınar T. klagt an: Während des Gezi Park Widerstands in İstanbul Dolmabahçe sei sie von der Polizei genötigt worden. Jetzt identifizierte sie den „Süleyman“ genannten Polizeibeamten, der ihr gedroht hatte. Noch während die Ermittlungen aufgrund der Strafanzeige von Pınar T. gegen die Polizisten andauern, wurden Pınar T., Erkan Y. und Uğur K. jetzt wegen Widerstands gegen die Polizei angeklagt.

Auch die 26jährige Pınar T. hatte an den Gezi Park Protesten teilgenommen. Am Morgen des 2.Juni 2013 war sie unterwegs zu ihrer Wohnung in Tarabya, als sie von Zivilpolizisten in Beşiktaş in Gewahrsam genommen wurde. Gemäß ihrer Aussage habe einer der sie misshandelnden Polizisten ihr mehrfach mit den Worten gedroht: „Hier ist es doch dunkel. Ich werde Dich fi…“. Nach dem Vorfall wandte sich Pınar T. an die Istanbuler Staatsanwaltschaft und stellte Strafantrag gegen die Polizisten.
Im Zuge der eingeleiteten Ermittlungen gab Pınar T. am 25. Juni ihre Aussage vor der Istanbuler Staatsanwaltschaft zu Protokoll – und schilderte detailliert, was ihr an jenem Tag widerfuhr: Unzählige Male habe man ihr in den Bauch und gegen das Becken geschlagen, damit sie sage, „Ich liebe die türkische Polizei“. Zudem habe ihr einer der Polizisten mit Vergewaltigung gedroht. Er sei von den anderen Polizisten „Süleyman“ gerufen worden, habe lockiges Haar, sei hellhäutig, ca. 1,75 m groß, habe helle Augen, spreche mit Akzent und sei ca. 35-40 Jahre alt.
Noch während die Ermittlungen aufgrund der Strafanzeige von Pınar T. gegen die Polizisten andauern, wurden Pınar T., Erkan Y. und Uğur K. nun ihrerseits wegen Widerstands gegen die Polizei angeklagt. Wegen Verstoßes gegen das Versammlungs- und Demonstrationsgesetz Nr. 2911 wird ein Strafmaß von bis zu drei Jahren Haft gefordert.
Die aufgrund der Anzeige von Pınar T. gegen die Polizisten eingeleiteten Ermittlungen laufen indes weiter. Einen der Polizisten, dessen Übergriffen sie ausgesetzt war, hat Pınar T. mittlerweile identifiziert.
Auf einem Forum, das sie wenige Tage nach den Ereignissen besuchte, erkannte Pınar T. unter den Aktivisten den Polizisten, der von den anderen „Süleyman“ genannt wurde und der sie am 2. Juni geschlagen hatte – dieses Mal in Zivil. Pınar T. schildert weiter, dass sie daraufhin den Polizisten mit ihrem Mobiltelefon fotografierte. Als Süleyman dies bemerkte, sei er geflüchtet. Von diesem Vorfall hatte Pınar T. bisher nur ihrem Rechtsanwalt berichtet. Sie wird die Fotos in den nächsten Tagen als Nachtrag zur Ermittlungsakte der Staatsanwaltschaft übergeben.

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