Der Obduktionsbericht von Abdullah Cömert. NUN OFFIZIELL: EIN VERBRECHEN

5.10.2013
Übersetzung: Translators for Justice
Quelle: Quelle: http://www.aydinlikgazete.com/mansetler/25929-aydinlik-adli-tip-raporuna-ulasti-ste-abdullah-comertin-olum-nedeni.html

Aydınlık hat den Obduktionsbericht des während der Juni-Proteste im Viertel Armutlu der südtürkischen Stadt Antakya zu Tode gekommenen Abdullah Cömert eingesehen. Es wird darin belegt, dass Cömert durch eine von der Polizei abgeschossene Tränengaspatrone umgekommen ist.

In dem von der sechsköpfigen gerichtsmedizinischen Kommission einstimmig verfassten Bericht heißt es:

“1. Die Kommission ist einstimmig zu dem Schluss gekommen, dass die bei der Person eingetretenen Schädeltraumata und Gehirnblutungen sowie die Schädigung des Gehirngewebes von einer auf den Kopf aufgeprallten Tränengaspatrone herrühren und somit zwischen der am 3. 6. 2013 gegen 23 Uhr eingetretenen Verwundung durch die Tränengaspatrone und dem am 3. 6. 2013 um 23.29 Uhr eingetretenen Tod der Person ein Kausalnexus besteht.”

Der vom stellvertretenden Leiter der Gerichtsmedizin Dr. Hızır Aslıyüksek unterzeichnete Obduktionsbericht wurde an die Staatsanwaltschaft der Provinz Hatay übermittelt, die zum Todesfall von Abdullah Cömert ermittelt.

In dem Bericht, der auf sämtliche juristischen und medizinischen Dokumente des Falles eingeht, findet sich auch eine technische Beschreibung der von der Polizei verwendeten Tränengaspatrone:

“Modell GL 202, Gesamtgewicht 150 g, Länge 115,5 mm, Breite 40 mm, Abschussgeschwindigkeit 75 m/s, Brenndauer 20 s, maximale Tragweite 95-150 m, Verzögerungszeit 2 s, Verbreitungszeit 20 s.”

Die Patrone sei von einer “zur Eindämmung von Demonstrationen eingesetzten Waffe” abgeschossen worden.

Auf den von Aydınlık ebenfalls eingesehenen Bildern von Überwachungskameras ist zu sehen, wie aus einem Spähfahrzeug der Polizei in Richtung der Straße, in der sich Abdullah Cömert befand, Tränengaspatronen abgeschossen wurden. Eine friedliche Protestaktion auf dem Uğur-Mumcu-Platz wurde gegen 23 Uhr durch einen Wasserwerfer aufgelöst. Danach wurden die Demonstranten von Spähfahrzeugen aus mit Tränengas beschossen. Um 23.09 Uhr feuerte ein von der Gündüz-Straße auf den Uğur-Mumcu-Platz zufahrendes Fahrzeug auf die Yıldız-Straße, in der sich Abdullah Cömert befand, Tränengaspatronen ab. Auf den Bildern ist zu sehen, dass nicht in die Luft, sondern direkt auf die Demonstranten gezielt wurde. Das Fahrzeug entfernte sich daraufhin, und an der Stelle, an der Abdullah Cömert getroffen worden war, versammelten sich Demonstranten. Cömerts Bruder Zafer Cömert gab an, in den Ermittlungsakten seien lediglich die Bilder eines Wasserwerfers sowie eines Spähfahrzeugs zu sehen, nicht aber die anderen Spähfahrzeuge, die im Einsatz gewesen seien.

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