Türkisches Bildungsministerium ruft Schüler zum Denunziantentum auf

19.08.2013
Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://www.cumhuriyet.com.tr/?hn=435434&kn=7&ka=4&kb=7

Sinan Tartanoğlu

Die Gezi-Park-Befragungen, die das türkische Bildungsministerium unter Lehrern und Schülern durchführt, weitet sich immer mehr aus. In Ankara ließen manche Schulleiter ihre Schüler mitten in den Ferien in die Schulen kommen. Sie verlangten, dass die Schüler auf ein Blatt Papier die Namen derjenigen Lehrer aufschreiben, die sie „dazu aufforderten, an Demonstrationen teilzunehmen“. Zudem sollten sie die Namen der Mitschüler vermerken, die „an diesen Demonstrationen teilgenommen haben“. Die Schulleiter beruhigten die Schüler mit der Versicherung, dass sie selbst dabei anonym bleiben würden.

(Cumhuriyet Ankara) Das türkische Unterrichtsministerium führt mit zum Teil haarsträubenden Methoden und zeitweise polizeilicher Unterstützung Befragungen von Schülern und Lehrern zu den Gezi-Vorfällen durch. Dabei kommt es Tag für Tag zu einem neuen Skandal. Auffälligerweise konnten bisher trotz der von der Polizei gelieferten Bilder und schriftlichen Dokumente keinerlei Namen herausbekommen werden.

Schüler wurden einzeln in die Schule bestellt

In der Provinz Ankara wurden die Schulleiter von der Generaldirektion des Bildungsministeriums aufgefordert, die Untersuchungen so schnell wie möglich zu einem Ende zu bringen, was bei einigen Schuldirektoren regen Eifer und damit einen neuen Skandal auslöste. In manchen Schulen wurden die Schüler der sechsten, siebten und achten Klassen, obwohl sie sich in den Ferien befanden, einzeln angerufen und ins Schulgebäude beordert.

Aus Angst haben Schüler einige Namen aufgeschrieben

Dort wurde jedem ein leeres Blatt vorgelegt, auf das sie schreiben sollten, welcher Lehrer sie aufgefordert habe, am 6. und 7. Juni nicht zur Schule, sondern stattdessen zu den Demonstrationen zu gehen, und wer von ihren Klassenkameraden und Lehrern an den Demonstrationen teilgenommen habe. Aus Furcht schrieben einige Schüler diverse Namen nieder.

„Habt keine Angst, Eure Namen bleiben anonym“

Um sie zu ermutigen, hieβ es, ihren eigenen Namen sollten sie nicht hinschreiben. Die Abgabe der Blätter werde anonym erfolgen, ihre Mitschüler und ihre Lehrer würden nichts davon erfahren und sie hätten daher nichts zu befürchten.

2 comments

  1. Diese Vorgehensweise ist aber nicht nur mit dem Bildungsministerium begrenzt!
    Das selbe ist mit den Ärzten im Gesundheitssystem, mit den Beamten im Öffentlichen Dienst, sogar mit den Mitgliedern verschiedener Gewerkschaften passiert, um mal einige Beispiele zu nennen.

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