Erklärung des Forschungsinstituts der “Konföderation der Revolutionären Arbeitergewerkschaften der Türkei”: Arbeitslosigkeit und die Gefahr des sozialen Abstiegs steigen

15.8.2013
Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://haber.sol.org.tr/ekonomi/hem-issizlik-hem-guvencesizlik-artiyor-haberi-78081

Die Beschäftigungszahlen vom Mai zeigen, dass in der Türkei im Laufe eines Jahres 254000 Menschen zum Heer der Arbeitslosen hinzugekommen sind.

Im Mai stieg die Arbeitslosenquote um 0,6 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 8,8 Prozent. Nach diesem Ergebnis sind innerhalb von einem Jahr 254 000 Menschen zum Heer der Arbeitslosen hinzugekommen. Laut den Berechnungen der Haushalts- und Arbeitsstatistiken des Jahres 2013, die das Türkische Statistikamt (TÜIK) gestern veröffentlichte, sank die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat um 0,5 Prozentpunkte. Während die allgemeine Beschäftigungsquote in der Türkei auf 51,6 Prozent anstieg, ist die Arbeitslosenquote außerhalb der Landwirtschaft um 0,6 Prozentpunkte auf 11 Prozent gestiegen.

Erklärung des Forschungsinstituts der Konföderation der Revolutionären Arbeitergewerkschaften der Türkei
Nach Berechnungen des Forschungsinstitutes der Konföderation der Revolutionären Arbeitergewerkschaften der Türkei (DISK) auf der Grundlage von Daten des Türkischen Statistikamts hat jedoch die Arbeitslosenquote, die die “Stille Reserve” berücksichtigt, 14,7 Prozent und die Arbeitslosenzahl 4 501 000 erreicht. Bei der Berechnung dieser Arbeitslosenquote werden auch diejenigen Menschen eingerechnet, die in den offiziellen Daten nicht als arbeitslos auftauchen; die bereit zur Arbeitsaufnahme wären, aber nicht als arbeitslos gelten, weil sie aus Hoffnungslosigkeit oder aus anderen Gründen seit drei Monaten die offiziellen Wege zur Arbeitssuche nicht nutzten. Wenn man noch die heimlichen Arbeitslosen, die unzureichend beschäftigt werden, in die Nichtbeschäftigung mit einschließt, so steigt die Arbeitslosenquote auf 18,91 und die Zahl der Arbeitslosen auf 5 487 000.

Besonderes Augenmerk auf Frauen und junge Leute
Die Benachteiligung in der Beschäftigungslage der Frauen setzt sich fort. Während die Beschäftigungsquote von Frauen 31,8 Prozent betrage, läge die die Stille Reserve berücksichtigende Arbeitslosenquote von Frauen bei 23 Prozent. Die Jugend stellt eine zweite benachteiligte Bevölkerungsgruppe dar, bei der die Arbeitslosenquote mit einem Anstieg innerhalb eines Jahres von 0,7 Prozentpunkten 16,6 Prozent erreicht. Nach den Berechnungen des Statistikinstituts der DISK, beträgt die die Stille Reserve berücksichtigende Arbeitslosenquote bei jungen Leuten jedoch 26 Prozent.

In der Türkei ist die Beschäftigung ohne Sozialversicherung stark verbreitet; in den letzten vier Jahren ist die temporäre Beschäftigung ohne jegliche Absicherung um 40 Prozent gestiegen. Außerdem sind 84 Prozent der Teilzeitarbeitenden und 62 Prozent der kurzfristig Beschäftigten nicht angemeldet.

Genauerer Blick auf den Oktober
Während die Bedingungen im Arbeitsleben von Tag zu Tag schlechter werden, enthält das Gesetzespaket, das die Regierung im Oktober im Parlament verabschieden möchte, Bestimmungen, die darauf zielen, kurzfristige Beschäftigung, Arbeitsmarktflexibilisierungen und Leiharbeit zu fördern. Diese Bestimmungen, die zu den Grundforderungen der Arbeitgeberschaft gehören, würden bedeuten, dass weniger geregelte, weniger abgesicherte Beschäftigungsformen an die Stelle der herkömmlichen Beschäftigungsformen treten. Die Regierung beabsichtigt somit, die strukturelle Arbeitslosenproblematik in der Türkei mit sogenannten Arbeitsmarktflexibilisierungen zu lösen.

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