Der Zusammenhang zwischen dem Flughafen Frankfurt und dem Gezi-Widerstand

5.8.2013
Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://www.sendika.org/2013/08/frankfurt-havaalani-ile-gezi-direnisi-arasindaki-iliski/

5. August 2013

Der AKP-Abgeordnete und Vorsitzende der türkischen Verfassungskommission Burhan Kuzu hat zwischen dem Gezi-Widerstand und dem Flughafen Frankfurt einen Zusammenhang hergestellt. Ihm zufolge ist dabei “Neid” im Spiel. Von dem wahren historischen Bezug zwischen Gezi und dem Frankfurter Flughafen hat er wohl keine Ahnung.

Bei einem Besuch in Keşan in der Provinz Edirne am 4. August äußerte Kuzu sich auf einer Pressekonferenz zu den Gezi-Ereignissen folgendermaßen:

Wir bauen in Istanbul jetzt einen neuen Flughafen, der zu den drei größten der Welt zählen wird. Der Frankfurter Flughafen wird dann nur noch an zweiter oder dritter Stelle stehen. Und deshalb hat Deutschland bei diesen Gezi-Geschichten ganz gehörig seine Finger drin, mit Agenten und so, das sage ich hier frei heraus. Durch die Bewegungen auf den internationalen Märkten wird das nur bestätigt. In anderen Ländern machen sie auch solche Dinge. Eine aufstrebende Türkei passt ihnen eben nicht in den Kram.

Von dem tatsächlichen historischen Zusammenhang, der sich zwischen dem Frankfurter Flughafen und dem Gezi-Widerstand ziehen ließe, dürfte Burhan Kuzu kein Ahnung haben.

Historische Spuren des Gezi-Widerstands in Frankfurt

Bei dem Stichwort Frankfurter Flughafen kommt einem der Widerstand gegen die Startbahn West in den Sinn, die Übergriffe der Polizei, die Menschenketten, die verbarrikadierten Autobahnen und das Hüttendorf.

Im Oktober 1980 begann eine breite Widerstandsbewegung gegen den Bau einer neuen Startbahn westlich von Frankfurt. Die Gegner des Bauprojekts machten geltend, durch das Fällen von drei Millionen Bäumen sowie die Luftverschmutzung und die Lärmbelästigung werde das ökologische Gleichgewicht gestört. Ähnlich wie im Gezi-Park wurde von den Gegnern im Wald ein Hüttendorf errichtet. Die Startbahngegner sammelten Unterschriften für ein Volksbegehren, das dem Bau der Startbahn Einhalt gebieten sollte. Kurz nach der Übergabe der über 200 000 Unterschriften an die Landesregierung räumte die Polizei das Hüttendorf überfallartig und es wurden die ersten Bäume gefällt. Daraufhin strömten aus ganz Frankfurt und aus den europäischen Nachbarregionen Startbahngegner in den Wald und bildeten Menschenketten, um gegen die Polizei Widerstand zu leisten. Auf der benachbarten Autobahn errichteten sie Barrikaden. Bei dem darauf folgenden Polizeieinsatz wurden zahlreiche Menschen verletzt. Die Startbahngegner wurden von der Regierung zu Staatsfeinden erklärt.

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