Der Menschenrechtsverein IHD: “Für die Menschen aus Rojava sind die Grenzübergänge geschlossen, Al Nusra-Mitgliedern stehen sie offen”

6.8.2013
Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://www.bianet.org/bianet/insan-haklari/149003-sinir-kapilari-rojava-ya-kapali-el-nusra-ya-acik

Nach ihren Untersuchungen in Ceylanpınar teilten Mitglieder des Menschenrechtsvereins (IHD) mit, dass die Türkei ihre Grenzübergänge für Flüchtlinge aus Rojava geschlossen habe; Mitglieder der Al-Nusra hingegen reisen über den Grenzübergang Akçakale ein und erhalten in der Türkei medizinische Behandlung.

Ein Bericht von Ayça Söylemez

İstanbul – BİA Nachrichtenzentrum
06. August 2013

Der Untersuchungsbericht des Menschenrechtsvereins (IHD), „über den Krieg in Rojava und dessen Auswirkungen auf die Bevölkerung von Ceylanpınar“ wurde veröffentlicht.

Serdar Çelebi, stellvertretender Präsident des IHD, sowie die jeweiligen Leiterinnen und Leiter der Regionalbüros in Diyarbakır (Muhterem Süren) und Urfa (Cemal Babaoğlu) hatten die Rechtsbrüche im Kreis Ceylanpınar in der Provinz Urfa untersucht, die durch die bewaffneten Zusammenstöße in der syrischen Region Rojava seit dem 16. Juli erlebt wurden.

Bei ihrem Besuch in Ceylanpınar am 2. August traf sich die Delegatıon mit Bürgermeister İsmail Arslan, Vertretern der Regionalbüros der CHP und BDP, Vertretern der örtlichen Handels- und Handwerkskammern, Vertretern der Landwirtschaftsgewerkschaft, Gemeindevorstehern, Bürgerinnen und Bürgern, der Familie des von der Gegenseite erschossenen Mehmet Gündüz sowie Journalisten. Nach dem Treffen wurde ein 11-seitiger Bericht erstellt.

Die zwei Teile des Berichts sind mit „Feststellungen bezüglich der Vorfälle in Rojava“ und „Feststellungen bezüglich der Vorfälle in Ceylanpınar“ überschrieben und enthalten viele Fragen, die einer Antwort harren.

Der Vorwurf: Ideelle und materielle Unterstützung für Al Nusra

Der Bericht listet folgende Ereignisse in Rojava auf:

* Nach den Vorfällen in der Stadt Serêkaniyê in Rojava, die am 8. November 2012 begonnen hatten, hatte sich die Lage für eine längere Zeit beruhigt; nach einem bewaffneten Angriff auf Kräfte der YPG (kurdische Verteidigungseinheiten) im Stadtteil Mehede durch eine Gruppe der Al Nusra Front am 16. Juli 2013 flammten die Auseinandersetzungen wieder auf und dauern gegenwärtig an.

* Es wird behauptet, dass bei den Kämpfen, die sich auf Serêkanîyê, Til Ebyad, Kobanê, Aleppo und den dazugehörigen Dörfern konzentrieren, Banden, die mit Al Kaida in Verbindung gebracht werden, hauptsächlich Zivilisten angreifen. So sollen mehr als 300 Zivilisten in den Regionen von Til Hasil und Til Eran verschleppt und sogar Massaker an Zivilisten verübt worden sein, hauptsächlich in manchen Stadtteilen und Dörfern von Aleppo.

* Im Bericht werden auch Behauptungen der örtlichen Bevölkerung widergegeben: die Al Nusra Front, die die YPG-Kräfte angreift, soll vornehmlich Unterstützung aus der Türkei erhalten; verletzte Al-Nusra-Kämpfer sollen in türkischen Kliniken behandelt werden; manch ein Al-Nusra Kämpfer würde nach dem Abschluss seiner Ausbildung in einem der Ausbildungscamps in der Türkei über die Grenze wieder nach Syrien eingeschleust; die Versorgung von Al Nusra mit Waffen, Munition und anderen Materialien soll über die Türkei erfolgen.

* Mit der Eroberung der Stadt Serêkanîyê durch YPG hat die Türkei den bisher offen gehaltenen Grenzübergang in Ceylanpınar geschlossen. Der Militärwachposten am Grenzpunkt Ceylanpınar wurde geräumt.

* Ebenfalls geschlossen wurde der Grenzübergang Semelka, der nicht nur einen Grenzübergang für die Türkei, sondern gleichzeitig den einzigen von der Region des Vereinten Kurdistan nach Rojava darstellt.

* Durch die Schließung von mehreren Grenzübergängen zu kurdischen Gebieten vonseiten der Türkei konnten nichtstaatliche Hilfsorganisationen Hilfsgüter nicht nach Rojava transportieren.

* Es wird festgestellt, dass verletzte Al Nusra Mitglieder nach der Besetzung des Grenzübergangs in Serêkaniyê durch YPG über den Grenzposten Akçakale in die Türkei einreisen und in hiesigen Kliniken behandelt werden.

Flüchtlinge stehen auf der Straße

Die Ereignisse in Serêkaniyês Nachbarstadt Ceylanpınar werden im Bericht wie folgt geschildert:

* Die Ereignisse von Serêkaniyê in der Region Rojava hatten direkte Auswirkungen auf die Bevölkerung von Ceylanpınar. Vier Menschen verloren durch abprallende Geschosse, Mörsergeschosse und Raketen ihr Leben, viele wurden verletzt.

* Bezüglich einer Entschädigung für die Familien von Toten und Verletzten in Ceylanpınar sei vonseiten des Staates nichts unternommen worden.

* Weder den Konflikten an der Grenze noch deren Auswirkungen auf Ceylanpınar wird von den Zuständigen in Kreis- und Provinzbehörden gebührende Aufmerksamkeit gezollt.

* Mit dem Aufflammen der Kämpfe seien annähernd viertausend Menschen von der anderen Seite der Grenze nach Ceylanpınar gekommen; jedoch seien diese Menschen nicht in ein Zeltlager aufgenommen worden; ein Teil sei bei Verwandten untergekommen, die Mehrheit sei jedoch weiterhin ohne Hilfe und Zuwendung (AS).

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