Notizen über zwei Monate Gezi-Widerstand und die Situation der Journalisten

27.07.2013
Übersetzung aus dem Türksichen: Translators for Justice
Quelle: http://www.bianet.org/bianet/medya/148779-habercinin-iki-aylik-gezi-guncesi

In den zwei Monaten der Gezi-Bewegung hat die Polizei 126 Reporter misshandelt, 36 festgenommen. Drei Journalisten wurden verhaftet, zwei sind im Gefängnis. Im Zusammenhang mit dem Widerstand haben mindestens 21 Journalisten ihre Jobs aufgegeben, neun Journalisten wurde gekündigt.Emel GÜLCAN

İstanbul – BİA Nachrichtenzentrum

In den zwei Monaten der Gezi-Bewegung hat die Polizei 126 Reporter misshandelt, 36 festgenommen. Drei Journalisten wurden verhaftet, zwei sind im Gefängnis. Im Zusammenhang mit dem Widerstand haben mindestens 21 Journalisten ihre Jobs aufgegeben, neun Journalisten wurden entlassen.

Seit dem Beginn des Gezi-Widerstands am 27. Mai haben Polizisten und in Zivil auftretende mutmaßliche Polizisten mindestens 126 Reporter, von denen neun zur internationalen Presse gehören, misshandelt, mit Pfeffergas und Plastikgeschossen verletzt, an der Ausübung ihres Berufs gehindert, beschimpft und erniedrigt und deren Aufnahmen gelöscht; mindestens 36 Reporter, 7 davon aus dem Ausland, wurden festgenommen, drei verhaftet. Zwei Journalisten befinden sich im Gefängnis.

Für die Liste der Namen der misshandelten und verhafteten Reporter bitte hier klicken:

Wegen des zensierenden, parteiischen Verhaltens der Massenmedien haben mindestens 20 Journalisten und ein Programmmacher ihre Jobs aufgegeben. Neun Journalisten wurden entlassen. Mindestens 15 Berufsorganisationen der Presse haben das Vorgehen der Polizisten gegen Journalisten während der Gezi-Proteste und die Zensur in den Medien verurteilt.

Ihren Anfang hatte der Gezi-Widerstand am 27. Mai genommen, als Protestbewegung gegen das Bauprojekt, das die Umwandlung des Gezi Parks in Taksim, Istanbul, zu einer Fußgängerzone vorsah. Inzwischen hat sich der Gezi-Widerstand auf 79 Provinzen der Türkei ausgebreitet. Nach dem Bericht der IHD-Zentrale (Menschenrechtsverein der Türkei, Anm. d.Üb.) verloren zwischen dem 27. Mai und dem 10. Juli fünf Menschen bei Polizeiangriffen auf Protestierende in dreizehn Provinzen ihr Leben; 8160 Menschen wurden verletzt, 64 davon schwer. 3343 Menschen wurden festgenommen, 119 verhaftet.

Nach dem Bericht des Innenministeriums beteiligten sich 2,5 Millionen Menschen an den Protesten. 4.900 Menschen wurden festgenommen. Fast 4.000 Menschen wurden verletzt. Die Schadensberichte der Provinzverwaltungen berichten von 58 beschädigten öffentlichen Gebäuden sowie von 68 demolierten Überwachungskameras und 337 verwüsteten Büros. Nach diesen Berichten wurden 90 öffentliche Busse, 214 Privatfahrzeuge und 45 Krankenwagen unbrauchbar.

Es wurde festgestellt, dass 14 Gebäude, in denen sich Parteibüros befanden, beschädigt wurden, eines davon gehört der CHP. Der Gesamtschaden wird auf 140 Millionen Türkische Lira beziffert.

Zweifelhafte Kündigungen- Entlassungen

Özdemir gekündigt: Da in seinem Bericht über die BEYDER-Proteste im Zusammenhang mit dem Gezi-Widerstand die Zeitung YURT zu sehen gewesen war, wurde ATV-Reporter Gökçen Keskin Özdemir mit der Begründung, „die Einrichtung erniedrigt“ zu haben, entlassen. (26. Juli)

Baydar entlassen: Die Tageszeitung Sabah beendete das Arbeitsverhältnis mit dem Ombudsmann Yavuz Baydar, nachdem sie zweimal seine Artikel während der Gezi Park-Proteste zensiert hatte (23. Juli).

Eser vor die Tür gesetzt: Bilge Eser, Reporter bei der Tageszeitung Sabah, wurde gekündigt. (19. Juli ).

Tekelioğlu entlassen: Tuluhan Tekelioğlu erhielt die Kündigung wegen seiner während im Rahmen des Gezi-Widerstands abgesetzten Tweets (15. Juli).

+1 Eigenkündigungen, Entlassung: Banu Güven, Ece Temelkuran, Haluk Şahin, Mustafa Hoş, Özlem Gürses, Uğur Dündar und Uğur Tutçuoğlu von +1 TV kündigten ihre Stellen, weil während des Gezi-Widerstands die Nachrichten manipuliert wurden; Chefredakteur Tuncay Mollaveisoğlu wurde von seiner Position entfernt (10. Juli).

Soner gekündigt: Berhan Soner, Internet-Verantwortlicher der Zeitung Olay, erhielt die Kündigung wegen seiner Tweets, mit denen er den Gezi-Widerstand unterstützt hatte (2. Juli).

Göncü tritt ab: Gürsel Göncü, Leiter der geschichtlichen Publikationen von NTV, kündigte seine Stelle, nachdem die Zeitschrift wegen ihrer während der Gezi-Proteste erschienenen Ausgabe eingestellt wurde (1. Juli).

Güven gibt auf: Özkan Güven, einer der Chefredakteure bei Ntvmsnbc, kündigte seinen Job wegen der Repressalien, die er während der Gezi-Proteste erfahren hatte (28. Juni).

Cömert tritt zurück: Hasan Cömert, Chef der Abteilung Kultur und Kunst bei NTV, kündigte seinen Job wegen der Repressalien, die er während der Gezi-Proteste erfahren hatte (28. Juni)

Demirkol kündigt ihre Stelle: Kanal 24 – Sprecherin und Moderatorin Remziye Demirkol hat ihre Stelle gekündigt.

Özkan kündigt ihre Stelle: : Neyyire Özkan, für Zeitschriften verantwortliche Chefin bei der Verlegergruppe Doğuş, hat ihre Stelle gekündigt (26. Juni).

Selimoğlu entlassen: Diren Selimoğlu, İHA-Internet Editor, erhielt die Kündigung wegen seiner Berichte im Zusammenhang mit dem Gezi Park (21. Juni).

Esendemir reicht die Kündigung ein: Kutlu Esendemir, Reporter bei der Zeitung Habertürk, kündigte seine Stelle wegen des parteiischen Verhaltens seiner Zeitung während der Gezi-Proteste.

Toklucu, Doğan und Yazıcıoğlu kündigen ihre Stellen: NTV-Programmdirektor Murat Toklucu und die Programmverantwortlichen Burcu Doğan und Onur Yazıcıoğlu haben ihre Stellen gekündigt (19. Juni).

Rücktritt mit Protest: Alper Bahçekapılı, Journalist bei Sabah, protestierte gegen die parteiische Politik der Zeitung als stehender Mann vor dem Eingang der Redaktion und kündigte seine Stelle (19. Juni).

Bozkurt vor die Tür gesetzt: Weil er in der Nachrichtensendung auch vom Gezi Widerstand berichtet hatte, erhielt Serkut Bozkurt, Leiter der Morgennachrichten bei Kanal Türk, die Kündigung (14. Juni).

Aydın tritt ab: Nach den Protesten wegen der Zensur, die von NTV während der Gezi-Proteste auf Nachrichten ausgeübt worden war, trat Cem Aydın, Vorstandsvorsitzender von NTV, von seinem Amt zurück (13. Juni).

Tüfekçiler entlassen: Metin Timur Tüfekçiler, Reporter beim Gouverneursamt von Istanbul, erhielt wegen seiner Beiträge zum Gezi-Widerstand in sozialen Medien die Kündigung von seinem Arbeitgeber (7. Juni).

Turgut, Aykar, Eldaş reichen Kündigung ein: Fotograph Mehmet Turgut, der eine Sendung bei NTV machte, Ömer Faruk Aykar, Produzent in der Nachrichtenzentrale, sowie Dilara Eldaş, digital editor, kündigten ihre Stellen wegen der Politiken des Senders (3. Juni).

(EG/BA/EA)

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