Tausende versammeln sich im Gedenken an die Opfer von Madımak

02.07.2013
Übersetzung aus dem Türkischen: Translators for Justice
Quelle: http://www.cumhuriyet.com.tr/?hn=426218

Am 20. Jahrestag des Massakers von Sivas wurde der Intellektuellen und Künstler gedacht, die bei dem Brandanschlag im Madımak Hotel ums Leben kamen (1). Im 20. Jahr nach dem schmerzhaften Ereignis liefen Zehntausende zum Madımak Hotel. Die Polizei traf aufgrund der Gedenkveranstaltung besondere Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt.İstanbul – Zum 20. Jahrestag des Massakers von Sivas fand in der Stadt unter der Beteiligung alevitischer Vereine, politischer Parteien und nichtstaatlicher Organisationen ein Gedenkmarsch statt. Über hunderttausend Menschen, die sich vor dem Madımak Hotel versammelten, haben die Verantwortlichen für das Massaker verurteilt.

Der Leiter des Pir Sultan Abdal Kulturvereins, Kemal Bülbül, der auf der Veranstaltung eine Eröffnungsrede hielt, sagte, der Staat spiele seit 20 Jahren ‚die 3 Affen‘. Als Letztes hätte man das Argument der Verjährung ins Spiel gebracht.

Bülbül sagte: „der Ministerpräsident wünscht sich, dass ‚das Urteil heilbringend sein‘ soll. Dieser Ministerpräsident ist einer, der uns bei jeder Gelegenheit beleidigt, der die neue Brücke Yavuz nennt. Wer glaubt ihm schon (2)“. Menschen riefen „Tayyip, tritt zurück“ aus der Menge.

Bülbül, der erklärte, dass sie auch hinter den Forderungen stehen, die in Taksim entstanden sind und sich auf das ganze Land verteilten, sagte: „Alle drei Menschen, die während der Proteste ums Leben kamen, sind Aleviten. Das reicht der Regierung nicht, sie greift das Volk weiter an. In Lice hat sie auf die Menschen geschossen.“

Bülbül bezog sich auf drei anstehende Wahlen und rief „die Linken, die Aleviten, die Sozialisten und die Sozialdemokraten“ dazu auf, sich zu vereinen.

„Der Schmutz im Herzen des Ministerpräsidenten schlägt sich in seinem Gesicht nieder, wir können es nicht verhindern“
Der Vorsitzende der Alevitischen Bektaschi Föderation Selahattin Özel sagte „Der Schmutz im Herzen des Ministerpräsidenten schlägt sich in seinem Gesicht nieder, wir können es nicht verhindern. Man muss nicht Alevite sein, um Massenmorde zu verurteilen, es genügt, Mensch zu sein. Wir erwarten auch keine Entschuldigung von ihnen. Sie haben jetzt einen Dialog mit den Aleviten begonnen. Der Herr Ministerpräsident hält uns für Schafhändler, aber wir werden nicht mit ihm verhandeln. Die Brücke wird nicht Yavuz Sultan Selim heißen. Taksim steht für den Menschen, steht für die Ehrlichen und Tapferen, wir unterstützen diese Menschen. Wir werden in Taksim künftig auch an dem Thema dritte Brücke arbeiten“

Nach den Ansprachen wurde eine Schweigeminute für die Opfer des Massakers eingelegt.

Sicherheitsmaßnahmen in Sivas

Aufgrund der Gedenkveranstaltung zum 20. Jahrestag des Sivas-Massakers wurden Sicherheitsmaßnahmen der höchsten Stufe eingeleitet.

Für die Veranstaltung kamen zahlreiche Teilnehmer aus dem In- und Ausland in die Stadt. Die Teams der Polizeidirektion Sivas waren an Kontrollposten im Einsatz, die ab Samstag auf den Zufahrten Sivas-Ankara, Sivas-Kayseri und Sivas-Erzincan in Richtung Stadtzentrum aufgebaut wurden. An den Posten waren auch Sondereinsatzteams im Einsatz. Es wurden vor allem die Fahrzeuge, die Nummernschilder anderer Städte trugen, angehalten; Fahrerinnen und MitfahrerInnen wurden durchsucht, das Gepäck und die Ausweise wurden kontrolliert. Die Kontrollen wurden auch heute morgen fortgesetzt.
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Anmerkungen zum Hintergrund (von Translate for Justice):

(1) Am 2. Juli 1993 griff eine religiös motivierte Menge die Teilnehmer eines alevitischen Festivals in Sivas an und steckte anschließend das Madımak Hotel in Brand. Bei dem Anschlag, der auch als „Massaker von Sivas“ bezeichnet wird, kamen 37 Menschen zumeist alevitischen Galubens ums Leben.

(2) Der türkische Premierminister erklärte bei der Grundsteinlegung der dritten Brücke über den Bosporus am 29. Mai 2013, dass sie nach dem osmanischen Sultan Yavuz Sultan Selim benannt werde. Der Sultan wird für die Ermordung von über 40000 Aleviten verantwortlich gemacht.

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