Erklärung der Taksim Solidaritätsbewegung vom 22. Juni 2013

22.6.2013
Übersetzung: Translators for justice
Quelle: http://taksimdayanisma.org/

„Unser Juni allein
Wird wie ein Jahr sein für die Welt
Weil so intensiv, mit so viel Feuer erlebt
Weil unsre Hände, unser Kopf und unser Blut
Deine schamlosen Krallen
Nicht mit Gestank verstecken lassen werden
Unsere Toten werden sich versammeln
Wie ein aufgefüllter Küstenstreifen.“
– Turgut Uyar

Wir erheben in unserem Land die Stimme von überall her, von den Plätzen und aus den Parks, den Häusern, den Vereinen, den Berufsverbänden, den Gewerkschaften, den Parteien, kurz aus allen Ecken und Enden, in denen das Herz des Gezi Parks schlägt; wir erheben unsere Stimme vom Taksim Platz.

Wir kommen in allen Lebensräumen zusammen, mit einer Besonnenheit, an deren Berechtigung wir mit all den Werten und Farben glauben, die uns erst zu dem machen, was wir sind, mit einer Entschlossenheit, die unsere Widerstandskraft ermöglicht, und mit einer grenzenlosen Kreativität. Als Taksim Solidaritätsbewegung haben wir auf die Forderungen, die wir an die Regierung gerichtet haben, immer noch keine Antwort erhalten. Wir haben nicht nur keine Antwort erhalten – man versucht weiterhin diejenigen, die unsere Forderungen in die Welt hinausschreien, mit Gewalt, Gewahrsam und Verhaftungen zum Schweigen zu bringen. Trotz aller Unterdrückung schreien wir weiter.

Noch einmal erinnern wir alle, die es vergessen lassen wollen, und alle diejenigen, die es noch nicht gehört haben, falls es solche gibt:
• Das Versammlungs- und Demonstrationsverbot auf öffentlichen Plätzen, in öffentlichen Räumen und vor allem auf den Plätzen in Taksim und Kızılay muss aufgehoben werden. Gezielte Behinderungen müssen unterlassen werden. Die Meinungsfreiheit muss unbedingt gewährleistet werden.
• Die Personen, die mit Beginn des Widerstands gegen den Abriss des Gezi Parks die demokratischen Rechte der BürgerInnen beschnitten haben, die die gewaltsame Niederschlagung dieses Widerstands angeordnet haben, die Personen, die diese Anordnungen ausgeführt haben und damit die Verantwortung für die Verletzung von tausenden Menschen und für den Tod von vier unserer Mitbürger tragen, müssen des Amtes enthoben werden, darunter an erster Stelle die Polizeipräsidenten und Gouverneure von Istanbul, Ankara, Hatay und Adana.
• Der Einsatz von Tränengasbomben und ähnlichen Stoffen muss verboten werden.
• Unsere Freunde, die wegen ihrer Teilnahme am Widerstand überall im Land verhaftet wurden, müssen freigelassen werden, und es muss zugesichert werden, dass keine Ermittlungen gegen sie eingeleitet werden.
• Alle Parkgelände, allen voran der Gezi Park, die der Nutzung durch die Bevölkerung geschlossen wurden und die Versammlungsplätze wie auch Schutzräume bei Naturkatastrophen darstellen, müssen unverzüglich wieder geöffnet werden.

Wir rufen alle AnsprechpartnerInnen unserer Forderungen an: Ihr werdet der Verantwortung nicht enthoben, solange Ihr diesen Forderungen nicht nachkommt und Rechenschaft über die Gewalt ablegt, die Ihr als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor den Augen der ganzen Welt begangen habt. Ihr könnt Euch dieser Verantwortung nicht entziehen, indem Ihr die jungen Menschen, die Frauen, die Homo-, Bi- und Transsexuellen, die demokratischen Massenorganisationen, die Arbeiter- und Berufsorganisationen, die Parteien, die NGOs, die Fangruppen, die seit Jahren diese Forderungen auf allen Plätzen in die Welt hinausschreien, zur Zielscheibe macht. Diese Forderungen sind nun nicht mehr nur unsere, sondern die aller sensibilisierter Menschen auf der Welt.

Infolge von Razzien, deren Durchführungsformen gegen das universelle Recht verstoßen haben, wurden Hunderte unserer Freunde in Gewahrsam genommen, viele wurden verhaftet und von vielen erhalten wir keine Nachricht mehr. Unseren Freunden, mit denen wir Schulter an Schulter Widerstand leisten, die festgenommen oder in Gewahrsam genommen wurden, von denen wir keine Nachricht mehr erhalten, die in Krankenhäusern behandelt werden, wird weiterhin jede juristische und menschliche Unterstützung gewährt. Um diese Unterstützung sichtbar zu machen, werden die Besuche durch unsere Mitglieder fortgeführt.

Unsere Freunde Abdullah CÖMERT, Mehmet AYVALITAŞ und Ethem SARISÜLÜK, die wie wir alle als Teil dieser friedlichsten und umweltfreundlichsten Widerstandsbewegung in der Geschichte der Türkei mit der Sehnsucht nach mehr Gleichberechtigung, Freiheit und Brüderlichkeit in dieser Welt auf die Straßen gingen, um ihre Rechte einzufordern, wurden Opfer einer Brutalität, eines Hasses und einer Gewalt, die es in diesem Ausmaß nicht einmal zu Kriegszeiten gibt.

Wir verbeugen uns in Respekt vor der Erinnerung an unsere Weggefährten, die in der Blüte ihres Lebens aus unserer Mitte herausgerissen wurden. Ihre würdevolle und entschlossene Haltung wird uns in unserem Kampf immer Vorbild und auf unserem weiteren Weg ein Licht sein. WIR WERDEN NICHT VERGESSEN und WIR WERDEN DAS VERGESSEN NICHT ZULASSEN!

Das Wichtigste, das wir als Taksim Solidaritätsbewegung aus diesem Prozess gelernt haben, ist, dass der Kampf nicht mit Zeit und Raum begrenzt werden kann; dass er von nun an in jedem Moment des Lebens und in jedem Quadratmeter der Stadt und des Landes weitergeführt wird.

Taksim Solidaritätsbewegung

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