Es ist eine ausgereifte Bürgerbewegung!

03.06.2013
Übersetzung: Translators for Justice
Quelle: Mine Şenocaklı, Vatan Zeitung

Interview mit Faruk Birtek, Professor für Soziologie an der Boğaziçi Universität

Auslöser der Gezi-Park-Bewegung ist des Ministerpräsidenten Eigensinn, Wut und Gewalt. Das Volk sagt dem Ministerpräsidenten “Es reicht, spalte uns nicht, bring uns nicht gegeneinander auf”. Es ist ein Einschnitt…
– Warum beharrt der Ministerpräsident dermaßen darauf, die Topçu-Kaserne wieder aufzubauen? Warum, Ihrer Meinung nach, gibt er nicht nach?
Fangen wir bei null an. Zum Ersten, dieses Projekt ist städtebaulich eindeutig unverträglich. Es ist offensichtlich ein großer Fehler, ein dermaßen großes Objekt mitten in Taksim zu errichten und dabei einen Park von einem Augapfel Istanbuls zu zerstören. Dieser Trotz hat nichts mit der Umwandlung des Taksim-Platzes in eine Fußgängerzone zu tun. Ich finde, Behauptungen wie, “Sie wollen ein Eınkaufszentrum bauen, diese kapitalistische Gier” vermögen die Situation nicht zu erklären… Ja, die AKP begehrt ein EKZ, aber darauf würden sie nicht so pochen. Du kannst es ja anderswo bauen.
– Worauf dann?
Was ich hier in erster Stelle sehe ist, dass der Taksim-Platz ein Symbol der Republik und Modernisierung ist. Da ist ein Vorsatz. Genau dies war der Fall mit der Cemil-Topuzlu- Freilichtbühne und dem Lütfi-Kırdar-Tagungs- und Ausstellungszentrum. Das sind verschiedene Orte, die den Charakter und das Selbstvertrauen der Republik verkörpern. Hinter diesem Trotz liegt der Vorsatz, die Spuren der Republik Schritt für Schritt zu tilgen. Wie Sie wissen, nach osmanischer Tradition beherbergen alle historischen Kasernen eine kleine Moschee. Von daher glaube ich, dass der Ministerpräsident die Topçu-Kaserne als ein Weg betrachtet, doch eine Moschee in Taksim zu bauen. Um die Moschee bauen zu können, möchte er dieses riesengroße Objekt errichten, da wo der Gezi-Park sich befindet.
Die Distanz, aus der die Polizei Tränengas auf die Menschen sprüht, beträgt nicht mehr 10 Meter, sondern einen
– Der Moscheebau in Taksim war eines ihrer Projekte aber löste viele Reaktionen aus…
Sie haben getan als ob sie die Krallen eingefahren hätten, aber in Wahrheit hatten sie es nicht. So glaubt wohl der Ministerpräsident, endlich den Vorwand für den Moscheebau gefunden zu haben. Von daher betrachte ich die Topçu-Kaserne als einen Zug, “die Moschee durch die Hintertür zu hineinzubringen”. Sie wissen schon, wir haben letzte Woche noch eine Moschee bekommen: Die von Menderes in ein Museum verwandelte Ayasofya-Moschee in Trabzon wird zurückverwandelt. Wir haben diese Eskalation. “Ihr habt Moscheen zugemacht, dafür schaffe ich sie überall”, heißt der Kampf. Und da liegt der eigentliche Fehler.
Die ganzen ausländischen Medien, darunter BBC, haben die Taksim-Demos als erste Meldung gesendet. Egal was Erdoğan behauptet, sogar der Westen weist darauf hin, dass das türkische Volk so viele Konflikte, so viel Hetze, Polarisierung, Vernichtung und Missachtung nicht hinnehmen wird. Das hatten wir auch bei der Yavuz-Sultan-Selim-Brücke. Der Brücke einen Namen zu geben, der für 15-20 Prozent der Bevölkerung bedrückend ist, ist so was von falsch. Aber diese Auferlegung ist da. Erdoğan stolziert herum nach dem Motto “Ich vollbringe alles was ich mir vornehme”. Hinter diesen Ereignissen liegt die Reaktion auf Erdoğans Haltung “Ich spalte die Gesellschaft und stoße jeden herum wie es mir gefällt”. Das finde ich besonders gefährlich. Eine Gesellschaft zu spalten und an den Rand des Abgrunds bringen ist äußerst falsch und gefährlich.
Erdoğans Gerede ist muslimisch, seine Taten sind es aber nicht!
– Ist die Gesellschaft am Rande des Abgrunds?
Ist sie nicht? Ich sehe hier eine psychologische Begebenheit. Schauen Sie, Menschen, die der AKP nahe stehen versuchen, die Sache etwas zu dämpfen. Aber leider bleibt Erdoğan bei seinem Trotz. Er sagt, “Ich führe alles aus, was ich mir vorgenommen habe”. Er hat etwas, was nicht mal die Sultane hatten. Jeden Freitag riefen die Janitscharen dem Sultan am Zahltag zu: “Mächtiger Sultan, Gott ist mächtiger als Du”. Erdoğan hat das noch nicht gespürt. Er überschätzt sich maßlos. Das, finde ich, ist sehr gefährlich. Die Türkei zu spalten und gegeneinander aufzubringen ist extrem gefährlich. Er soll für ein westliches Politikverständnis sorgen, und dabei auch für sozialen Frieden. Das ist heute wichtiger denn je. Das ist das Demoktratieverständnis, das nötig ist. Und es widerspricht dem Grundgedanken des Islam auch nicht. Das schönste am Islam, was auch in die Geschichte eingegangen ist, ist Gedanken austauschen, beraten. Erdoğans Gerede ist muslimisch, seine Taten sind das aber leider nicht. Das halte ich für den Islam nach Muaviye. Denn es ist weit entfernt von Beratung und Meinungsaustausch. Erdoğan berät sich weder mit Menschen aus AKP-Kreisen, noch mit anderen in der Gesellschaft. Bedauerlicherweise sucht er nach seinem eigenen Charakter in einer Wut und Gewalt gegen die Gesellschaft. Das jagt mir große Angst ein.
– Wovor?
Ich hatte schon mal auf Ihren Seiten betont, dass wir diesen mich beängstigenden Weg eingeschlagen haben, und dass meine Angst zum einen auf dieser Haltung Erdoğans beruht und zum anderen auf der Rücksichtslosigkeit der Polizei. “Ich habe Angst” hatte ich gesagt, “All dies erinnert mich an die SS der Nazi-Zeit”. “Es kann keine dermaßen rücksichtslose Polizei geben” hatte ich gesagt, “Die muss gezügelt werden”. Doch, diese Regierung hält sie nicht im Zaum, denn das passt ihr gerade. “Ich kann alles, ich zermalme alle” heißt es. Heute erleben wir wieder das Gleiche. Aber in erhöhter Dosis. Die Polizei sprüht das Tränengas nicht mehr aus 10 Metern, sondern aus einem, und zwar auf Frauen.
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Nur die AKPler können Ministerpräsident Erdoğan zur Vernunft bringen
– Geht es denn so weiter?
Keiner vermag alles in der Geschichte. Ich hoffe darauf, dass seine Freunde bei der AKP Erdoğan daran erinnern, doch sie tun es nicht. Alle wirken irgendwie abhängig von ihm… Sie verabschieden mitten in der Nacht undurchsichtige Gesetze. Wie das Alkohol-Gesetz zum Beispiel. Dabei geht es nicht um Jugendschutz. Die Elemente des Alkohol-Gesetzes bekümmern alle. Keiner sagt was gegen Jugendschutz, keiner ist für den Alkoholverkauf mitten in der Nacht. Darum geht es nicht. Es geht um einen Krieg und Groll gegen eine bestimmte Schicht. Auch in der Syrien-Politik.
– Aber der Ministerpräsident behauptet eine breite Schicht der Gesellschaft zu vertreten.
Tut er aber nicht. Jede Umfrage über Syrien ergibt, dass 65-70 % der Gesellschaft die Politik der Regierung nicht gutheißt. Nichtsdestotrotz setzt sich die Wut- bzw. Gewaltpolitik von Davutoğlu und Erdoğan durch. Es ist eine extremistische Politik für die Sunnitische Hegemonie ohne eine offene Tür für die Gegenüberstehenden… Erdoğan hört der Gesellschaft auch nicht mehr zu, dank seinem Wahlsieg mit 50% der Stimmen. Der glaubt wohl, diese stehen ihm immer zu. Die Kommunalwahlen jedoch können ihn überraschen.
Können die sich von Taksim aus ausbreitenden Demos einen Einschnitt in der Türkei bedeuten? Es waren MHPler, teilweise sogar Fromme auf dem Platz. Die haben auch ihren Teil vom Gas abbekommen…
Es ist definitiv ein Einschnitt. Diese Leute sagen “Basta! Wir widersetzen uns einem dermaßen rüden Benehmen. Demokratien können so eine selbstherrliche Gesinnung nicht ertragen!” Auch der Präsident des Verfassungsgerichts hat ihn gewarnt, nicht wahr? Bülent Arınç versucht ihn zu dämpfen. Genauso wie Kadir Topbaş. Auch wenn es sich passiv anhört, appelliert sogar der Präsident an ihn. Doch keinem gelingt es, Erdoğans Trotz zu überwinden. Das ist eigentlich AKPs Problem. AKP hat im Inneren eine Krankheit. AKP ist dem Islam entfremdet.
– Inwiefern entfremdet?
Dem Meinungsaustausch entfremdet. Es ist absurd für eine Partei, die sich nicht austauschen kann, sich zur muslimischen Tradition zu bekennen. Diese ist Muaviyes Islamverständnis. Da ist das eigentliche Problem. Es liegt an dem Demokratiedefizit innerhalb AKP. Die Türkei ist jetzt über diesen Einschnitt in der Demokratie hinaus nach diesen Ereignissen. Die AKP blieb aber leider hinter der Türkei. Sie müssen sich zusammenreißen. Ich bin davon überzeugt, dass tief in ihren Herzen 95% der AKP’ler gegen dieses Projekt ist. Doch, keiner schafft es, Erdoğan nein zu sagen.
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Wird in den Namen des neuen Flughafens “Atatürk” stehen?

– Können die AKPler Erdoğan von seinem Kurs abbringen?

Leider haben sich die Angehörigen dieser Partei in einer Interessengemeinschaft verfangen. Ich sehe nicht, wie sie diesen Mut aufbringen könnten. Ich wünschte ich würde falschliegen. Denn die AKP muss das ins Reine bringen. Leider kann ich das nicht. Sie müssen anfangen miteinander zu reden anstatt dem Parteichef blinden Gehorsam zu zollen. Sie sollen sagen “Hören Sie dieser Masse zu”. Sie sollen sagen “Die dritte Brücke ist ein Fehler”. Sie sollen sagen “Sie nützt dem Istanbuler Stau gar nichts, wird aber mit 10 Spuren das Ende des Grüns heißen”.
Und das schlimmste Projekt hier ist der zweite Flughafen. Nichts wäre falscher. Sie werden den am besten betriebenen Flughafen Europas abreißen. Wozu? Weil der “Atatürk Flughafen” heißt! Gibt es so was, der Flughafen hat doch keine Probleme. Er funktioniert prima. Er ist der erfolgreichste Flughafen Europas. Wird aber abgerissen. Warum reißen die ihn ab? Wenn sie an seiner Stelle ein Gebäude bauen, werden sie den Verkehr ruinieren. Wenn es eine Grünanlage wird, dann werden sie diese in einen Vergnügungspark umwandeln und wir werden auf eine zwei Stunden weite Strecke an der Schwarzmeerküste umgeleitet. Wozu die ganze Mühe? Wieder die gleiche Geschichte. Es handelt sich um Verachtung der Republik. Sie können den Namen Atatürks nicht abschaffen, also schaffen sie den Flughafen ab! Können sie sagen, dass sie den neuen Flughafen am Schwarzen Meer nach Atatürk benennen werden? Können sie nicht. Vielleicht nach Necip Fazıl Kısakürek… Das ist alles falsch. Es dient nichts Weiterem als der Provozierung eines Gesellschaftssegments und der Streitsucht.
Moslems sind konservativ, aber doch nicht streitsüchtig… Erdoğan nimmt sich die streitsüchtigen 2% unter den Konservativen und will den Rest danach nachbilden. Das ist falsch. Man soll Milde suchen. Man soll Konflikte zwischen frommen Moslems und mäßigen Moslems vermeiden. Das ist aber nicht das, was der Ministerpräsident tut… Warum strebst du danach, mich mit frommen Menschen zu konfrontieren? Ich suche keinen Streit mit ihnen, denn die sind meine besten Freunde. Ich habe viele meiner gläubigen und ihren Glauben jeden Tag ausübenden Bekannten in mein Herz geschlossen. Aber auch welche, die anders sind. Das soll man in der ganzen Türkei gewähren. Das ist die Aufgabe des Ministerpräsidenten. Man soll es begünstigen, dass die Gesellschaft Probleme zusammen löst. Doch statt zu lösen, erzeugt Erdoğan Probleme. Jeder seiner Schritte nach vorne ist ein Fehler. Die dritte Brücke ist ein Fehler, der Flughafen ist ein Fehler, Taksim ist ein Fehler… Fehler über Fehler. Die AKP ist auf einem falschen Weg. Es ist immer so gegangen. 10 Jahre Regieren ist nicht gut… Die AKP muss sich ändern.
Dieses “Nein” wird gute Ergebnisse bringen.
– Es gibt Kommentare zu den Taksim-Demos wie “Erdoğan hat Alkohol verboten, und somit das Volk ernüchtert!”…
Wie ich verstehe ist es da zu einem Fest geworden. Es ist für mich der Anfang einer ausgereiften Bürgerbewegung. Und damit ein Einschnitt. Das ist sehr wichtig. Die türkische Nation sagt “nein” ab einem bestimmten Punkt. Das war auch der Fall in der Vergangenheit. Nach der Besatzung Izmirs durch die Griechen waren die Frauen zum ersten Mal auf der politischen Arena in der größten Demonstration auf dem Beyazıt-Platz, und hatten auch da “nein” gesagt zur Besatzung. Hier ist es wieder der Fall. Der Bürger sagt wieder “nein”. Dieses “nein” wird hoffentlich günstige Ergebnisse liefern. Aber wie es dazu kommen wird, kann ich nicht sagen. Dadurch, dass sich die AKP zusammenreißt, oder vielleicht anderswie, weiß ich nicht.
– Ümit Boyner hat Stellung bezogen: “Wir werden bei dem EKZ nicht mit dabei sein”. Was halten Sie davon?
Das sind sehr angebrachte, erfreuliche Worte. Doch darum geht es nicht. Erstens ist es aus städtischer Sicht völlig falsch, ein EKZ an diesem Ort zu errichten. Daran ist nichts Nachvollziehbares. Außerdem, wenn Erdoğan das als die Topçu-Kaserne baut, dann muss er davon nach dem Enteignungsgesetz als eine Kaserne Gebrauch machen. Wenn es fertig ist, werde ich Anklage erheben und sagen “Dieses Gebäude wurde als die Topçu-Kaserne gebaut, wird aber nicht zweckdienlich verwendet. Es muss zurück in die Vergangenheit führen können. Die 66. Division muss wohl nach Taksim kommen”. Her mit der 66. Division, dann sehen wir was sie tun. Man kann nicht sagen, ich hatte keinen Bock auf einen Schlafsaal oder eine Waffenkammer!
Es sollte eine Statue von Sırrı Süreyya Önder errichtet werden
– Die ausländische Presse vergleicht die Demos mit der Indignados-Bewegung…
Richtig und falsch. Die ausländische Presse hat Recht. Erdoğan löste bei Menschen definitiv Empörung aus, aber die Leute begehren nicht aus Empörung auf, sondern sie verhalten sich reif. Sie sagen, “Hör auf damit, uns zu beleidigen!”. Es kommt zu dem Punkt, wo sich viele Menschen dagegen aufregen. Heute 5, morgen 5 Tausend, und schwuppdiwupp hat man 50 Millionen Widersacher. Die Leute sagen “Es reicht, Herr Ministerpräsident, spalte uns nicht, bring uns nicht gegeneinander auf”. Doch der Ministerpräsident schafft es nicht. Wieder und wieder macht er sich über Kılıçdaroğlu her. Diese Bewegung hat nichts mit der Volkspartei (CHP) zu tun. Über die Hälfte dieser Menschen sind keine Anhänger der CHP… Alle sind da. Da ist Sırrı Süreyya Önder, den man auf ein Podest heben soll. Meine Hochachtung. Ich gratuliere ihm. Es ist enorm wichtig. Ein BDP-Abgeordneter hat allen eine Lehre erteilt, und dabei gehört die BDP nicht zu den großen Parteien. Es sollte eine Statue von Sırrı Süreyya Önder errichtet werden. Wir brauchen solche tapfere Menschen… Moslems haben das Recht, so zu leben, wie sie möchten. Doch, nicht auf Kosten anderer… Der Auslöser dieser Bewegung ist des Ministerpräsidenten Eigensinn, Wut und Gewalt. Und es ist die Aufgabe vor allem der AKPler diese zu bewältigen. Er ist ihr Vertreter. Den AKPlern fällt eine Menge zu. Sie sind nicht so gekommen, und sie gehen in die falsche Richtung. Einer soll den Ministerpräsidenten beiseite nehmen und sagen “Sie machen einen Fehler”. Doch die können es nicht fertigbringen, weil sie wahnsinnig Angst haben! Die Türkei ist auf einem gefährlichen Weg. Der Ministerpräsident hat die Türkei an den Rand des Abgrunds gebracht. Entweder wendet er selber, oder die AKP zieht ihn zurück oder irgendwas anderes geschieht. Es gibt hier eine Botschaft vom Volk. Erdoğan und die AKPler müssen diese hören.
Diese Bewegung kann zum türkischen Frühling werden
– Manche fragen, ob wir einen Tahrir in der Türkei haben können…
Der arabische Frühling wird nicht richtig begriffen. Der arabische Frühling wurde zum Herbst. Es ist auch wirklich schwierig in der Wüste. Hier aber kann Frühling anbrechen. Ich bin voller Zuversicht auf morgen.
– Mit welcher Begründung?
Unsere Gesellschaft ist eine andere. Wir haben eine unabhängigere Politik geführt. Gott sei Dank haben wir die Organisationshegemonie der Muslimbrüder nicht. Bei den Arabern sind sie durch Zellen in jeder Ecke der Gesellschaft zu finden und sie wandeln alles zu ihrem Vorteil um. Unsere Bevölkerung agiert viel unabhängiger und selbstbewusster. Unser Freiheitsverständnis ist viel älter. Wir haben eine fast 150 Jahre alte parlamentarische Tradition. Es gibt ein Demokratieverständnis, eine westliche Orientierung. Die türkische Bevölkerung ist anders.
– Was ist mit dem Einfluss der Gülen-Gemeinde? In unseren früheren Gesprächen hatten Sie ihn mit Gandhi verglichen…
Ja, aber ich glaube Fethullah Gülen wurde zum Schweigen gebracht. Er hätte ein Gandhi werden können aber jetzt beugt er sich, denke ich. Der hat vor Erdoğan gekuscht, finde ich. Wie es aussieht, hat auch Amerika dabei eine Rolle gespielt. Ich nehme an, Amerika hat Gülen Pro-Erdoğan-Überlegungen eingeredet. Daher kann er die Eigenschaft, ein Gandhi zu werden heutzutage nicht aufweisen. Er soll das hier verurteilen. Er soll diese Gewalt missbilligen. Er soll zur Mäßigung aufrufen. Wir hören nichts davon, er kann es nicht. Hüseyin Gülerce hat gesagt, “Ich unterstütze Erdoğan. Er ist ein sehr guter Ministerpräsident. Er soll von mir aus auch Präsident werden”. Und damit war es erledigt. Fethullah Gülen hat in meinen Augen seine alte Stellung nicht mehr, tut mir leid. Ich neige dem rücksichtsvollen, friedliebenden, sich vom Sufismus inspirierenden Islam zu. Dieser Aspekt des Islams ist sehr wichtig. Es ist ein gravierender Fehler, den Islam Muaviye zu überlassen. Denn das endet in Kerbela.

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