Gemeinsame Erklärung der Taksim Solidaritätsbewegung vom 2. Juni 2013

Mit dem Taksim Projekt sind  wir wieder einmal mit Entscheidungsmechanismen konfrontiert, die in einem liberalen, demokratischen Land nicht akzeptiert werden können. Uns eint die Motivation, den unwiderruflichen Fehlern des Neubebauungsplans für den Platz entgegenzuwirken, der der Bevölkerung präsentiert wurde, ohne die nötigen wissenschaftlichen, technischen sowie demokratischen Prozesse in Gang gesetzt zu haben.

Das Taksim Projekt wurde zum ersten Mal vor den Wahlen vom Ministerpräsidenten angekündigt. Danach wurde der Öffentlichkeit eine Planveränderung präsentiert, nach der der Bereich in eine Fußgängerzone umgewandelt werden sollte.  Diese Veränderung wurde vom Istanbuler Stadtparlament sowie der 2. Regionskommission zum Schutz von Kulturgütern genehmigt. Die Bauplanänderung wurde unbeachtet der universellen Werte jeglicher Urbanisierung und ohne die wissenschaftlichen und technischen Grundlagen einer Transportplanung und Projektierung verkündet. Zudem wurden Rechtsgrundlagen und Schutzrichtlinien missachtet. Was verkündet wurde, war ein Projekt  der „Zubetonierung“, „Entmenschlichung“ und „Charakterentfernung“. Es ist ein „unterirdisches“ Bauvorhaben, das mit seinen Rampen und Schutzmauern die Sicherheit der FußgängerInnen und der Fahrzeuge gefährdet, mit korridorähnlichen Bordsteinen, die den Fußgängern den Zugang zum Platz versperren, und die visuelle und lebensbezogene Einheit eines historischen Raumes vernichtet.

Neben der Bauplanänderung werdem der Bevölkerung nun unter der Bezeichnung „die Wiederbelebung der Topçu (Artillerie) Kaserne“ neue Bauvorhaben aufgezwungen. Der Gezi Park, der öffentliche Park, der offen für uns alle ist und auf den jeder von uns ein Anrecht hat, die einzige übriggebliebene Parkanlage im Zentrum unserer Stadt, der einzige Ort,der uns im Falle eines Erbebens Schutz bieten kann, wird uns entrissen. Die Bäume, die Anlagen, die zum Laufen oder als Treffpunkt und als Erholungsort dienen, sollen nun zubetoniert und kommerzialisiert werden. Wieder einmal wird die Öffentlichkeit falsch informiert, damit Macht und Kapital an Ansehen gewinnen.

Taksim steht als unser Kulturerbe unter Denkmalschutz und es ist der öffentlichste Platz unserer Stadt. Daher fordern wir die sofortige Einstellung des Taksim Projekts, um der Gefahr vorzubeugen, dass wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Wir verlangen, dass Taksim in einem ganzheitlicheren Ansatz, unter Berücksichtigung der sozialen, historischen, gesellschaftlichen, kulturellen und ökologischen Werte, gemäß universeller Theorien und Richtlinien, unter Anwendung von ehrlichen, transparenten, partizipatorischen und demokratischen Methoden umgebaut wird.

Der Taksim Platz ist der erste, vielleicht  sogar der wichtigste Platz in der Geschichte der Städtebaumaßnahmen in der republikanischen Ära. Es ist der Platz, auf dem wir all unsere Feierlichkeiten und Feste feiern, unser Glück artikulieren, auf dem wir unsere Rechte einfordern und unsere Forderungen kundtun. Es ist unser Platz der Arbeit und Demokratie.

Wir machen uns alle gemeinsam stark für den Taksim Platz. Weil Taksim uns allen gehört!

Taksim Solidaritätsbewegung

Übersetzung: Translators for Justice

Quelle: http://taksimdayanisma.org/hello-world

 

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